Platz Drei verteidigen oder vielleicht doch noch einen Angriff auf die Spitzenreiter wagen? Diese Frage gilt es zur Zeit für Gerhard Gulewicz und seine Crew zu beantworten. Hat es noch Sinn sich bis ans Letzte zu verausgaben und dabei auch das Risiko auf sich zu nehmen, vielleicht selbst wegen Überforderung auszufallen, oder fährt man langsam und sicher ins Ziel und hat dabei nur mehr die Verteidigung des dritten Platzes als Ziel.
Wenn man sich die Abstände ansieht, dann muss man sagen die zweite Taktik ist die richtige. Denn der Rückstand auf die beiden Spitzenreiter Jure Robic und Dani Wyss beträgt schon beachtliche 10 Stunden, während der Vorsprung auf den Viertplatzierten Slowenen Baloh nur 4 Stunden beträgt.
Die Gefahr den Stockerlplatz in den letzten beiden Tagen noch zu verlieren ist also immer noch gegeben. Die Chance, dass man ohne fremde Hilfe noch den ersten oder zweiten Platz belegt ist dagegen sehr gering. Aber man weiß natürlich nie, ob sich die beiden Spitzenreiter nicht noch selbst ins verderben treiben.
Natürlich liegt die Entscheidung darüber letztlich bei dem 42 jährigen Bad Ischler Gerhard Gulewicz selbst, aber das Team steht ihm bei der Entscheidungsfindung natürlich mit Rat und Tat zur Seite. Als Sportler würde ich mich aber auf alle Fälle für Variante 1 entscheiden den auch ein Radrennen ist wie ein Autorennen erst mit dem Fallen der Zielflagge zu Ende.
Da für den Profisportler aus dem Salzkammergut aber auch finanziell einiges vom Erreichen eines Stockerlplatzes abhängt würden aber alle im Team auch die Sicherheitsvariante verstehen und unterstützen. Welche Entscheidung Gerhard Gulewicz schlussendlich auch treffen wird, wir werden es spätestens in den nächsten Stunden erfahren.
Apropos Unterstützung – die wurde von uns Medienleuten heute wieder des öfteren von Gerhard und seiner Pacecar Mannschaft eingefordert. Einmal musste mit Eistee ausgeholfen werden, immer öfter werden auch die aktuellen Rennzwischenstände benötigt und heute Nacht hatten wir sogar einen offiziellen Spionageauftrag auszuführen. Galt es doch über einige Zeit den Rückstand des von Gerhard gestern überholten Slowenen Marko Baloh zu überwachen.
Der Plan sah also wie folgt aus. Man fährt auf der Strecke ein Stück voraus, parkt das Medienauto wenn möglich so unauffällig es nur geht und wartet. Wenn Gerhard dann vorbeifährt heißt es die Uhrzeit zu notieren und erneut warten und zwar auf seinen Verfolger Baloh. Erneut heißt es dann die Uhrzeit zu notieren und die errechnete Distanz per Handy an das Pacecar weiterzuleiten. Ein deppensicherer Plan könnte man meinen.
Nachdem Gerhard uns heute Nacht passiert hat, und die Minuten so verrannen glaubten Alex Limberger und Fotograf Martin Steiger auch alles fest im Griff zu haben - bis meine Wenigkeit dann aus einem Nickerchen aufwachte und so ganz nebenbei die Frage stellte wie lange man den eigentlich schon auf Baloh wartet.
Die Gesichter der beiden hätten sie sehen sollen, sie hatten nämlich vergessen auf die Uhr zu sehen!
Der Geheimauftrag konnte aber dennoch zur vollsten Zufriedenheit des Chefs ausgeführt werden. Nachdem Baloh uns passiert hatte wurde einfach ein ungefährer Abstand errechnet. Wie sich dann später an der Zeitsstation herauslesen ließ, lagen wir damit auch gar nicht einmal so schlecht.






