DAS RACE ACROSS AMERICA 2011.

Das Race Across America gilt als das härteste Radrennen der Welt. Gerhard Gulewicz hat nun bereits 6 mal ohne Unterbrechung an diesem Extremrennen teilgenommen. Bereits vor seiner ersten Teilnahme im Jahr 2006 hat Gerhard sich das Ziel gesetzt diese Rennen eines Tages zu gewinnen und er hat dieses große Ziel bis heute nicht aus den Augen verloren:

Gerhard: „Ich kann dieses Rennen gewinnen, und ich werde so lange starten bis ich es einmal gewonnen habe!“

Erst 12 Fahrer konnten in der 28 jährigen Geschichte dieses Rennen unter 9 Tagen beenden, zu denen seit 2009 auch Gerhard Gulewicz gehört. Mit einer Endzeit von 8 tagen 22 Stunden und 53 Minuten hat er einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu seinem Ziel erreicht. Gerhard ist aber nun auch der einzige dieser 12 Fahrer, der dieses Rennen noch nicht gewonnen hat!

2011 musste Gerhard nach einem mehr als 40 Stunden Kampf um Platz 2 das Rennen ca. 290 Meilen vor dem Ziel nach körperlichem K.O. beenden.

Hier sein Résumé:

„Ich wollte noch Alles versuchen ganz nach vorne zu kommen. Christoph Strasser, der spätere Sieger, war realistischer Weise nicht mehr einzuholen. Aber die Vergangenheit hatte gezeigt, dieses Rennen ist erst zu Ende, wenn man die Ziellinie überfahren hat! Mit diesem Gedanken im Kopf, und weil es mir zu diesem Zeitpunkt des Rennens sehr gut ging, hatte ich den Entschluss gefasst meine geplante Schlafpause, die zu diesem Zeitpunkt des Rennens nach ca. 24 bis 30 Stunden erfolgen sollte, nach hinten zu verschieben - so lange wie möglich! Ich war an 4 Stelle platziert. Während der Nachtstunden konnte ich dann Marco Balloh (SLO) und Alberto Blanco (USA) ein und überholen. Nach mehr als 40 Stunden im Sattel passierte etwas mit mir, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekannt hatte. Ich war voll konzentriert, im Kopf hellwach, ich kann mich an alles erinnern was vorgefallen war, aber mein Körper hatte einfach nicht mehr zu mir gehört. Ich konnte links von rechts und oben von unten nicht mehr unterscheiden. Ich wollte nach links fahren, fuhr aber nach rechts! Die Situation wurde extrem gefährlich, da ich immer wieder in den Gegenverkehr gefahren bin!!!! Und dann kam es noch schlimmer, ich konnte meine Beine nicht mehr koordinieren. Links und rechts die Pedale runter zu drücken war mir nicht mehr möglich?! Diese einfache Bewegung! Ich weis nicht ob sich das jemand vorstelle kann? Das ist ein furchtbares Gefühl. Als wenn die Beine nicht mehr zum Körper gehören.....! Man will und kann nicht - wie in einem schlimmen Traum!!!! Ich wollte noch weiter fahren, aber mein Körper hatte nicht mehr mitgespielt. Das Rennen war für mich zu Ende! DNF (Did not finish)! Ich kann mich noch genau erinnern was ich zu diesem Zeitpunkt gedacht hatte. Gerhard, jetzt bist du zu weit gegangen!!!!

30 Stunden im Sattel, das hatte ich vorher schon mehrmals erfolgreich und problemlos durchgezogen, aber diese mehr als 40 Stunden zu diesem fortgeschritten Zeitpunkt des Rennens waren zu viel des Guten! Ich hatte meine persönlichen Grenzen einmal mehr hinausgeschoben und überschritten, eine neue Erfahrung gemacht, von der ich jetzt nach 8 Wochen anders denke als gleich nach meiner Aufgabe. Denn da war ich verärgert und verständlicherweise deprimiert. Doch aus Niederlagen lernt man mehr als aus Siegen. Was nicht heißt, dass ich Niederlagen bevorzuge. Jedoch die Betrachtungsweise ist von Bedeutung - ist das Glas halb-voll, oder halb-leer? Ich ziehe meine positiven Schlüsse aus dieser Situation und den neuen Erfahrungen die ich gemacht habe. Bin dankbar dafür, dass kein Unfall bzw. Sturz passiert ist, denn davon hatte ich in meiner Karriere als Radprofi schon genug (2007 in Australien und 2008 beim RAAM)!

Nach dem Rennen habe ich mir dann 4 Wochen Pause vom Rad gegönnt und am 27. Juli wieder mit dem Training begonnen. Mit einer für mich neuen Art des Trainings. Ich habe an einer RAD und BERGEXPEDITION in Kenya teilgenommen.